Die Gründer von XELA STORE über Ihr Konzept, den Gründungsprozess und Marketing – Interview bei MindsetMagazine.de

Produktion Guatemala XELA STORE

Hallo Sascha & Jorge. Ihr seid die Gründer von XELA STORE, einem Onlineshop und Label. Stellt doch mal zu Beginn euer Unternehmen & was Ihr macht in eigenen Worten kurz vor.

„Wir sind ein Social Startup, welches hochwertige, handgefertigte und fair gehandelte Produkte aus Lateinamerika vertreibt. Unsere Artikel werden in Lateinamerika handgefertigt und bestehen aus natürlichen Materialien wie Wildleder, Holz, Petate oder Baumwolle. Designed werden diese von lokalen Social-Designern, welche sich von den einzigartigen Kulturen Lateinamerikas inspirieren lassen.

Wichtig ist für uns der „Social Impact“, den wir bzw. unsere Kunden durch den Kauf unserer Produkte, in Lateinamerika bewirken können. Wir setzen uns für eine spürbare Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Lateinamerika ein.

Wir möchten fairen Handel, qualitativ hochwertige Produkte, Handfertigung und Lateinamerika in einen Kontext bringen: XELA STORE.“

Auf solch eine Idee seid Ihr bestimmt nicht zufällig gekommen. Wie kam es letztendlich zu eurem Konzept? Und mit XELA STORE habt Ihr euch zudem selbstständig gemacht. War für euch bereits von Anfang an klar, dass Ihr euch in eurem Leben einmal selbstständig machen wollt oder kam das eher zufällig und plötzlich?

Jorge: „Es war kein Zufall. Alles fing bereits in der Schule an. Ich besuchte die deutsche Schule in Guatemala und bin dadurch in zwei unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen. Die guatemaltekische, in welcher ich geboren wurde, und die deutsche. Damals wurde mir schon bewusst, dass viele Menschen in meinem Heimatland unter sehr schlechten Bedingungen leben, was ich gerne ändern möchte.

Ich kam 2003 als Austauschschüler nach Deutschland und als ein Teil eines sozialen Projekts an meiner Schule, habe ich auf einem Weihnachtsmarkt typische Produkte aus Guatemala verkauft. Das Interesse war schon zu dieser Zeit sehr groß. Der Erlös der Verkäufe wurde in den Aufbau einer Schule in Guatemala Stadt investiert. So wurde mir klar, in welche Richtung ich in meiner Zukunft gehen möchte.

Mir war es wichtig, etwas ökonomisch, ökologisch und soziales aufzubauen. So habe ich meine Ausbildung und mein Studium in Guatemala und Deutschland bewusst gewählt, um ein Unternehmen gründen zu können. Zudem habe ich während meines Studiums meinen Geschäftspartner Sascha kennen gelernt. Gemeinsam haben wir aus einer Idee ein Konzept geformt.“

Sascha: „Vor XELA STORE und dem Studium habe ich eine Ausbildung in der Logistik absolviert und auch einige Zeit dort gearbeitet. Während meines Studiums formte sich der Gedanke, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mir fehlte aber noch die zündende Idee.

Eines Tages brachte Jorge eine Umhängetasche aus recycelten Kaffeesäcken mit zur Uni und wir kamen ins Gespräch. Da allgemein das Interesse an der Tasche sehr groß war, entwickelte sich die Idee, diese Taschen zu importieren und an der Hochschule zu verkaufen. Inspiriert von dieser Idee haben wir anschließend gemeinsam das Konzept zu XELA STORE entwickelt.“

„Das „Gründungsabenteuer“ namens XELA STORE begann. Xela, benannt nach Xelajú (Quetzaltenago), ist ein Unternehmen, mit dem wir die lateinamerikanische und die deutsche Kultur zusammenführen möchten.“p>

Ihr beide habt euch während des Studiums kennengelernt und seid seither Freunde. Nicht selten ist davon zu lesen, „dass man mit seinen Freunden keine Geschäfte“ machen soll. Gab es bei euch diesbeüzglich schon Probleme oder haltet Ihr diesen Spruch für nicht zutreffend?

„Wir sind beide zu 100% von unserer Idee überzeugt und stehen dafür voll ein. Natürlich ist man auch mal unterschiedlicher Meinung, aber grade das kann auch zu kreativen Ideen und gut durchdachten Lösungen führen. Wichtig ist, dass wir uns auf den jeweils anderen verlassen können und XELA STORE gemeinsam aufbauen möchten. Von daher können wir den Spruch nicht betätigen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, das festigt die Freundschaft.“

Ihr habt für XELA STORE eine GmbH gegründet. Woher hattet Ihr das Startkapital dafür und wie empfandet Ihr den gesamten Gründungsprozess? Gerade unerfahrene Gründer schreckt die Bürokratie dahinter häufig ab.

„Die Gründung einer GmbH erfordert nicht nur das Einbringen von Kapital. Insbesondere davon sollte man sich nicht von seiner Idee abbringen lassen. Ein gewisses Risiko gehört zu einer Gründung einfach dazu.

Eine größere Herausforderung sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, aber auch diese lassen sich mit entsprechender Einarbeitung oder Unterstützung gut überwinden. Es empfiehlt sich auf jeden Fall Beratungsleistungen der Handelskammern oder von Gründungsinitiativen aktiv zu suchen und in Anspruch zu nehmen, sich aber auch mit anderen Gründern zu vernetzen. So können Probleme oder Fragestellungen gemeinsam gelöst werden.“

XELA STORE verfolgt ein Fair Trade Konzept. Ihr habt inzwischen sicherlich einige Einblicke in Sachen Fair Trade sammeln können. Gibt es hier viele „schwarze Schafe“, die Ihre Produkte als „fair trade“ verkaufen, bei denen sich dahinter aber eigentlich das Gegenteil verbirgt?

„Wichtiger als der Begriff „fair trade“, mit dem ein Unternehmen wirbt, ist der Social Impact, den das Unternehmen tatsächlich beiträgt. Dies ergibt sich nicht zwingend aus einer Zertifizierung oder Mitgliedschaft, sondern viel mehr aus dem Selbstverständnis der Unternehmer und der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Sofern ein Unternehmen mit „fair trade“ wirbt sollte dieses, sowie der zuvor genannte Social Impact, den Kunden transparent dargestellt werden. Also: „Was tut das Unternehmen bereits und was kann der Kunde durch seinen Kauf bewirken?“

Wir können keine Aussage darüber treffen, ob es viele schwarze Schafe in der Branche gibt, aber jedem sollte klar sein, dass ein persönliches Engagement und Interesse der Gründer bzw. Unternehmer ein guter Indikator dafür ist, wie nachhaltig und verantwortungsbewusst das Geschäftsmodell aufgebaut ist.“

Wie nah ist euer Kontakt zu den Produzenten in Lateinamerika? Sind regelmäßige Besuche, Telefonate oder Mails auf dem Tagesplan oder wie kann man sich das vorstellen?

„Die Nähe zu unseren Partnern in Lateinamerika ist für uns von großer Bedeutung. Als Unternehmen, welches den Werten der WFTO (World Fair Trade Organization) folgt, ist eine transparente und partnerschaftliche Kooperation ein wichtiger Bestandteil unseres Konzepts. Wir haben nicht jeden Tag Kontakt mit unseren lokalen Partnern, aber regelmäßige Skype-Telefonate und mindestens ein Besuch pro Jahr gehören dazu. Wir kennen jeden unserer Partner persönlich und haben unsere Produzenten zuletzt im September/Oktober 2016 vor Ort auditiert. Gemeinsam tragen wir zu einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen bei.

Wichtig ist noch zu ergänzen, dass wir unsere Produzenten auf Augenhöhe sehen. Jeder von Ihnen hat besondere Fähigkeiten, mit denen sie einzigartige und schöne Produkte fertigen.“

Was macht eurer Meinung nach den Reiz eurer Produkte aus? Wie hebt sich euer Angebot von Konkurrenten ab?

„Unsere Produkte sind außergewöhnlich und einmalig. Häufig äußern sich Interessierte und Kunden mit: „Total schön, so etwas habe ich noch nie gesehen.“ Die Designs unser Produkte sind an die einzigartige Kultur der Mayas angelehnt und fangen somit die besondere Vielfalt ein. Insbesonders Guatemala und die Huipiles der Maya-Frauen inspirieren unsere Produkte. Ebenso werden viele unser Produkte im Hochland von Guatemala und auf traditionelle Weise handgefertigt. Zum Beispiel mit der „Telar de Cintura“, eine Jahrhunderte alte Technik, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Weiterhin lassen sich unsere Produkte sehr gut kombinieren, da wir in Kollektionen arbeiten. D.h. man findet beispielsweise ein passendes Armband zur neuen Handtasche.“

Euer Marketing spricht sicherlich bestimmte Personengruppen an. Auf welche Marketing-Kanäle und -Strategien setzt Ihr besonders?

„Wir möchten insbesondere Personen ansprechen, die Wert auf Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und fairen Handel legen. Darüber hinaus interessieren sich unsere Kunden für ferne Kulturen, insbesondere natürlich für die Kulturen Lateinamerikas, und schätzen den Wert von traditionell handgefertigten Produkten.

Um diese Personen zu erreichen sind wir in den sozialen Medien (Facebook und Instagram) vertreten, besuchen Kreativmärkte und soziale Konferenzen, sowie Lateinamerika oder Fair Trade Messen, wie beispielsweise die „Fair Handeln“ vom 20. – 23.04.2017 in Stuttgart.“

Gerade für junge Gründer ist das Thema Weiterbildung sehr wichtig. Wie bildet Ihr euch persönlich weiter? Besucht Ihr Seminare, lest Ihr bestimmte Bücher oder verfolgt Ihr eher das Motto „Learning by doing“?

„Sowohl als auch. Wir wissen, dass wir nicht alles wissen. Daher ist es wichtig sich das fehlende Wissen anzueignen oder sich Partner zu suchen, die bestimmte Aufgaben übernehmen. Als Beispiel haben wir ein Seminar „Buchführung für die Existenzgründung“ besucht, welches von der Handelskammer angeboten wurde. Dort haben wir z. B. unsere heutige Steuerberaterin kennen gelernt. Ferner haben wir Workshops zum Thema Nachhaltigkeit, SEO, Social Media Marketing, usw. besucht. Dies können wir jedem Gründer nur ans Herz legen. Zudem vernetzen wir uns mit gleichgesinnten Social Entrepreneurs, um uns auszutauschen und zu unterstützen.“